Plastik: Alles gut verpackt?

Kunststoffe umgeben uns mittlerweile überall im alltäglichen Leben. Sei es als Verpackung von Lebensmitteln wie Milchprodukten, Reis, Getreide, Obst und Gemüse. Daneben verwenden wir viele Haushaltsgegenstände aus Plastik hierbei sind unter anderem Kochgeräte, Möbel, Fußböden und Kinderspielzeug zu nennen.

Lebensmittelverpackungen

Wichtig ist aber zunächst, dass Plastik nicht gleich Plastik ist! Es gibt die unterschiedlichsten Arten von Kunststoffen, welche mehr oder weniger genau gekennzeichnet sind. Euch sind bestimmt auch schon die kleinen Ziffern oder Kürzel auf den Unterseiten diverser Plastikschachteln und Becher aufgefallen. Hierbei gibt es die Ziffern 1 – 7, welche den jeweiligen Recycling-Code angeben. Genaues dazu könnt Ihr unten in Tabelle 1 wiederfinden. Wichtig dabei ist zu wissen, dass 7 ein Sammelsurium an Stoffen bezeichnet, die nicht unter die vorhergegangenen Nummern fallen. Hierunter fällt auch das kritisch zu sehende Polykarbonat, welches Weichmacher freisetzten kann. Sonderfall sind außerdem die Biokunststoffe, welche entweder aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt sind oder 100% biologisch abbaubar sind, nicht jedoch unbedingt beides zusammen. So können diese auch aus Mineralöl hergestellt sein oder aus einer nachhaltigen Quelle stammen, dabei aber nicht oder nur schwer abbaubar sein. Nicht gerade das, was man unter Bio versteht. In der Tabelle könnt Ihr, neben den Recycling-Code und Stoffabkürzungen, nachlesen, wo ungefähr die verschiedenen Stoffe eingesetzt werden und welche Eigenschaften der jeweilige Kunststoff hat.

Recycling-Codes

Der Recycling-Code gibt euch Aufschluss darüber, um welchen Kunststoff es sich ungefähr handelt. (www.uh.edu/engines)

 

 

 

 

Kunststoffe
Material Kürzel Recyclingcode Eigenschaften Verwendungsbeispiel
Polyethylen PE 2, 4 geruchsneutral, geschmacksneutral, hautverträglich, ohne Weichmacher Getränkekisten, Einmalhandschuhe
Polypropylen PP 5 vielseitig (Lebensmittelindustrie, Haushalts, Verpackung), in Pharmazie zugelassen, Weichmacher unüblich, ähnliche Eigenschaften wie PE Creme-Verpackungen, Zahnspangendosen
Polyethylenterephthalat PET 1, 7 gut temperaturbeständig, keine Weichmacher, kann Acetaldehyd und Antimontrioxid in die Flüssigkeit abgeben Trinkflaschen, Jacken, Wärmeschutzfolie
Polystyrol PS 6 Einsatz von karzinogenen Styrol und Benzol, Stabilisatoren (z.B. P-Nonylphenol) Kaffeebecher, Plastikbecher, Joghurtbecher, Kleiderbügel
Polycarbonat PC 7 transparent, wärmeformstabil, beständig gegenüber Säuren, Ölen und Alkoholen, kann Weichmacher freisetzten CD, Plastikbecher, Plastikkoffer
Polyvinylchlorid PVC 3 30-35% Weichmacher (meist Phalate, wirken als endokrine Disruptoren), Weich-PVC wenig hitzebeständig (65°C), hoher Chloranteil (Verbrennung setzt umweltschädliche Nebenprodukte frei), karzinogeses Vinylchlorid für Herstellung notwendig Spielzeug, Regencape, Gummistiefel, Luftmatrazen
Bio-Kunststoffe z.B. Green PE, PLA, PLL, PET, PE, PC, Ecoflex, Ecovivo ähnlich anderen Kunststoffen, entweder biologisch abbaubare oder aus nachwachsenden Rohstoffen (nicht zwingend beides), kritische Inhaltsstoffe nicht ausgeschlossen Folien, Flaschen,

 

 

Die Weichmacherproblematik

Ein großes Problem von Kunststoffen ist das Freisetzten von Weichmachern. Diese auch als „Xeno-Hormone“, „Umwelt-Hormone“ oder „Phantom-Hormone“ bezeichneten Substanzen wirken als endokrine Disruptoren (ähnlich wie Hormone in unserem Körper, unsere Boten- und Regulationsstoffe), was bedeutet, dass sie schon in geringen Mengen gravierend in unseren Stoffwechsel und anderer Organismen eingreifen. Hierbei wirken diese Stoffe vor allem fortpflanzungsschädigend, erbgutschädigend und somit auch krebserregend und hinterlassen zahlreiche weitere Folgen, wie Entwicklungsbeeinflussung bei Menschen und Tieren. Aufgenommen werden die Stoffe meist indirekt durch kontaminierte Lebensmittel. Da Weichmacher gut fettlöslich sind, werden diese anschließend verstärkt im Fett- und Nervengewebe eingelagert und können hier zu den verschiedenen Symptomen führen. Außerdem werden die Substanzen nur sehr schlecht abgebaut und reichern sich so im Körper und unserer Umwelt an. Mittlerweile finden sich solche Verbindungen überall auf der Erde, selbst in bisher von Menschen unberührten Gegenden wieder.

Der wohl bekannteste Weichmacher ist das Bisphenol-A, kurz BPA genannt. Dieser kann unter bestimmten Bedingungen, wie Erhitzen über 70°C aus Polykarbonaten und anderen Kunststoffen herausgelöst werden. Er ist unter anderem in Flaschen, Kunststoffgeschirr, Babyschnullern, Thermopapier, Epoxid-Innenlack, sowie in den Beschichtungen von Konservendosen und in vielen weiteren Haushaltsprodukten und sogar in Zahnfüllungen zu finden. Da BPA auch zur Beeinträchtigung der Sexualentwicklung führt, ist gerade die Verwendung in Babyflaschen und ähnlichen sehr kritisch zu sehen, zumal Babys aufgrund Ihres geringen Körpergewichts besonders anfällig sind. Allgemein führt eine Belastung mit dem Weichmacher zu Frühreife, reduzierter Spermienzahl, Verweiblichung von Jungen und Männern, Prostata- und Brustkrebs, Verhaltensstörung (BPA führt zu Wachstumssteigerung der Neuronen im Hypothalamus) und Fettleibigkeit. Zudem gibt es Korrelationen von BPA-Belastung mit Herzkrankheiten und Diabetes. Aufgrund dieser Risiken ist der Weichmacher mittlerweile in Frankreich verboten. Bei uns ist dies leider bisher nur für Babyflaschen der Fall. BPA-freie Produkte die es mittlerweile bei uns gibt sind jedoch nicht unbedingt die bessere Lösung. Meist wird BPA durch BPS (Bisphenol S) ersetzt, ein Stoff der sich chemisch kaum von Bisphenol-A unterscheidet. Da weniger über die toxischen Auswirkungen bekannt ist, sollte er dabei noch kritischer betrachtet werden. Mittlerweile konnte bereits an Mäuseexperimenten gezeigt werden, dass er zu einer höheren Wachstumssteigerung der Neuronen, als BPA führt und somit Verhaltensänderungen beim Nachwuchs, unter anderem Autismus und und Hyperaktivität, verursacht. Somit ist das Label „BPA-Frei“ oftmals nur Augenwischerei und man setzt sich sogar einem noch größerem Risiko aus als mit einem BPA-haltigen Standardprodukt.

Eine weitere wichtige Weichmachergruppe sind die Phtalate wie DEHP (Bis(2-ethylhexyl)phthalat), DBP (Dibutylphthalat) und BBP (Benzylbutylphthalat) diese werden v.a. aus Weich-PVC freigesetzt, aber auch als Filmbildner in Parfüms und Kosmetika eingesetzt. DEHP ist dabei in vielen Lebensmittelverpakungen, unter anderem von Käse, Schinken und Wurst enthalten und gelangt von dort in unsere Nahrung. Wie die anderen Weichmacher besitzen die Phtalate eine hormonähnliche Wirkung (östrogenähnlich) wodurch die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigt und Ungeborene geschädigt werden können.

Auch ohne BPA und Phtalaten können fast alle Kunststoffe Substanzen herauslösen, die ebenfalls als Xenohormone wirken. Da für eine hormonelle Wirkung lediglich sehr kleine Mengen benötigt werden, sind hierbei auch die gesetzlich festgelegten Grenzwerte viel zu hoch angesetzt und wiegen uns nur in falscher Sicherheit.

Plastikenten im Gewässer

Plastik findet sich mittlerweile überall in unserer Umwelt wieder.

Wohin mit dem Plastik?

Neben den Gesundheitsgefahren sorgen gerade die ganzen „Wegwerfverpackungen“ für ein großes Müllproblem, denn irgendwo muss das alte Plastik nun mal hin. Recycling ist oftmals nur schwer und lediglich bis zu einem gewissen Grade möglich. Da bei der Müllverbrennung toxische Verbindungen, wie Dioxine frei werden, ist auch dieser Weg der Müllbeseitigung keine Lösung. Ein Großteil der Kunststoffabfälle landet ohnehin einfach in der Natur. Tiere verfangen sich in den Plastikteilen, werden dadurch verstümmelt und sterben einen qualvollen Tod. Auf den Ozeanen gibt es mittlerweile ganze Kontinente aus schwimmendem Plastik. Und alles, was nicht auf der Oberfläche schwimmt, sinkt in die Tiefsee ab. Außerdem sammelt sich sehr viel Kunststoff innerhalb des Ökosystems an. Tiere verwechseln Plastikpartikel mit Nahrung und da diese oftmals nicht wieder ausgeschieden werden können, verbleiben die Teile im Verdauungstrakt, wodurch die Tiere schließlich verhungern. Außerdem werden die in den Kunststoffen enthaltenen Gifte ins Fettgewebe eingelagert und gelangen so über die Nahrungskette auf unsere Teller.

Wege aus dem Dilemma

Allem im allem zahlen wir einen hohen Preis für den „praktischen“ Nutzen des Plastiks und mindestens eine Reduktion des Plastikverbrauchs, der eigenen Gesundheit und der Umwelt zuliebe, drängt sich einem auf. Aber was können wir ändern? Naheliegend und leicht umzusetzen ist das Recycling und richtige Entsorgen der entstehenden Plastikabfälle. Daneben solltet Ihr wenn möglich auf andere Materialien zur Lagerung der Lebensmittel ausweichen. Edelstahl ist eine gute Option, es gibt viele Küchenwerkzeuge und selbst Dosen für euer Pausenbrot aus Metall. Hierbei können sich aber, gerade bei säurehaltigen Lebensmittel Metallionen herauslösen und in euer Essen übergehen. Aus diesem Grund solltet Ihr besser keine Aludosen- und Töpfe verwenden (Edelstahl ist korrosionsbeständiger) und für Nickelallergiker ist das Material keine Lösung. Glücklicherweise gibt es aber noch weitere alternative Materialien. Holz ist ein solches, und gerade in der Küche ein sehr guter Ersatz für Plastikutensilien, mit einer große Auswahl; selbst Schneebesen gibt es aus Holz! Manches Besteck gibt es auch aus Horn oder Keramik. Für die Lebensmittellagerung ist Glas unschlagbar. Es gibt Glasdosen, die nicht nur für das Aufwärmen in der Mikrowelle geeignet sind, sondern auch sich auch als Auflaufform zum Backen eignen. In Einmachgläsern könnt Ihr nicht nur Kompott, Marmeladen oder Suppen oder Euer Müsli hineinfüllen, die Behältnisse eignen sich auch wunderbar für Salate, klein geschnittenes Obst und vieles mehr. Statt beschichteter Pfannen und Töpfe könnt Ihr Keramik- , Stahl- oder Glastöpfe verwenden. Und für den Transport Euer Mittagsessen für die Arbeit, Schule oder Studium könnt Ihr statt der Plastikdose auf Gläser oder Glas- und Metalldosen zurückgreifen. Es gibt wirklich genug Möglichkeiten, den eigenen Plastikkonsum und -gebrauch zu verringern.

Gemüse in Glasdose

Glasdosen sind wunderbare Behältnisse für Lebensmittelreste und für Euere Verpflegung für die Mittagspause.

Müsli im Glas

Gläser von Lebensmittel sind praktische für die Vorratshaltung und den Transport Eurer Mahlzeiten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Aufwand der Plastikreduktion ist gering im Vergleich zu dem Nutzen, die Eure Gesundheit und unsere Umwelt davon trägt.

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