Glyphosat – „roundoff“ für unsere Gesundheit

Beim Anbau von Nutzpflanzen, gerade im großen Stil, ist es früher oder später notwendig, unerwünschten pflanzlichen Bewuchs zu entfernen. Dabei wird auch gerne auf Herbizide zurückgegriffen. Eine solche besonders häufig eingesetzte Substanz ist Glyphosat. Wie sich die meisten von Euch denken können, ist gerade ein großflächiger Einsatz solcher Mittel nicht ohne Folgen für Mensch und Umwelt.

Was ist Glyphosat?

weinberg

Weinberg: Solange Pflanezen, wie diese Rebstöcke noch keine Blätter tragen, kann auch hier das Breitbandherbizid Glyphosat eingesetzt werden.

Glyphosat ist ein Breitbandherbizid aus der chemischen Stoffgruppe der Phosphonate. Das unselektiv wirkende Herbizid wird über die Blätter aufgenommen und blockiert innerhalb der Pflanzen das Enzym 5-Enolpyruvylshikimat-3-Phosphat-Synthase (EPSPS) und somit den Shikimatweg. Dieser Syntheseweg ist ein sehr wichtiger Stoffwechselweg in Pflanzen und vielen Mikroorganismen und ist für die Synthese der aromatischen Aminosäuren Phenylalanin, Tryptophan, Tyrosin sowie Sekundärmetabolite, wie manche Pflanzenhorme und Vitamine, zuständig. Das reguläre Substrat der EPSPS ist Phosphoenolpyruvat (PEP). Aufgrund der chemischen Ähnlichkeit von Glyphosat zu PEP, kann die EPSPS nicht zwischen den beiden Substanzen unterscheiden. Durch den Versuch Glyphosat umzusetzen, wird das Enzym dabei irreversibel gehemmt.

Seit den 1970er ist es als Unkrautvernichtungsmittel und Erntebeschleuniger in der konventionellen Landwirtschaft zugelassen. Hierbei wird meist kurz nach der Ernte das Herbizid eingesetzt, um die Felder für die nächste Aussaat unkrautfrei zu machen. Daneben wird Glyphosat aber auch, unter anderem zur Unkrautbefreiung von Gärten, Parkanlagen, Bahnstrecken und Gewässern eingesetzt.

 

Glyphosat und Gentechnik

Außerdem ist es seit einiger Zeit üblich Feldfürchte durch gentechnische Methoden Glyphosat-resistent zu machen. Somit kann das Herbizid auf die Nutzpflanzen (vor allem Mais, Soja, Raps und Baumwolle) angewendet werden, wenn die Pflanze schon längst aufgegangen ist. Vorangetrieben von der Firma Monsanto, welche gleichzeitig gentechnisch verändertes Saatgut zusammen mit der Glyphosatvariante „Roundup“ anbietet, ist das in den USA bereits im großen Stil üblich. Auch in Deutschland werden, insbesondere in Ostdeutschland und an den Küstengebieten, viele Ackerflächen mit den Herbizid behandelt.

Wir Ihr es Euch sicher denken könnt, ist solch ein massiver Einsatz eines Breitbandherbizides nicht ohne Folgen für uns Menschen und unsere Umwelt. Zunächst bilden sich, gerade bei starkem Herbizideinsatz, Resistenzen innerhalb der „Unkräuter“ aus. Dies wiederum hat zur Folge, dass höhere Dosen oder andere Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt werden. Mit verheerenden Folgen für die Umwelt. Durch den großflächigen Einsatz von Glyphosat werden nicht nur die unerwünschten Pflanzen auf den Äckern vernichtet, sondern auch die Flora in der Umgebung. Deren Artenvielfalt nimmt dadurch stark ab. Außerdem lagert sich Glyphosat durch seine ähnlichen Eigenschaften zu Phosphat, normalerweise an den Bodenmaterialien ab. Diese Adsorption wird jedoch durch einen hohen Phosphatgehalt, wie er durch Düngung mit phosphathaltigem Mineraldünger entsteht, verhindert. Als Folge davon wird das Herbizid ins Grundwasser gespült.

Bei Pflanzen führt Glyphosat zu erhöhten Wurzelpilzbefall, beeinträchtigt das Wachstum von Mykorrhizapilzen (Symbiontische Pilze vieler Pflanzen) und behindert die Ansammlung von Knöllchenbakterien. Daneben werden Bodenbakterien in Ihrer Nitrifikation (stellt für Pflanzen verwertbares Stickstoff her) und Harnstoffhydrolyse (Harnstoffabbau) gehemmt.

Gesundheitsrisiken

Bei Freisetzung in die Umwelt kann eine Schädigung des Ökosystems sofort oder später herbeigeführt werden.

Gefahrensymbol für umweltgährdend; Vermehrter Glyphosateinsatz hat schlimme Folgen für die Bodenlebewesen und Pflanzen. (de.wikipedia.org)

Aber auch wir Menschen werden durch die Auswirkungen der Chemikalie nicht verschont, die entweder durch Kontakt oder Konsum der behandelten pflanzlichen Produkte entstehen. Insbesondere Bauern und Arbeiter auf den Feldern leiden unter den Folgen des bedenklichen Unkrautvernichtungsmittels. Bei Körperkontakt, gerade bei höheren Dosen, führt dies zu Haut- und Augenproblemen, Atemwegsinfektionen, Magen- und Darmerkrankungen, Fieber und Überlastung des zentralen Nervensystems. Zudem besitzt Glyphosat langfristig eine Hautkrebspromovierende (-fördernde) Wirkung. Da die Substanz außerdem eine hormonähnliche Wirkung zeigt, und somit auch als Xenohormon (Umwelthormon) bezeichnet werden kann, erhöht diese zum einen die Geburt missgebildeter Kinder und zum anderem das Risiko an hormonellen Brustkrebs zu erkranken. Neben den Menschen leiden aber auch unsere Nutztiere. So führt kontaminiertes Futter zu einer Dysbiose (Darmfehlbesetzung) und viszeralen Butulismus (Vergiftung, ausgelöst durch das von einem bst. Bakterium gebildete Botulinum-Toxin).

Aufgrund dieser Wirkungen wurde Glyphosat von der IARC (Internationale Agentur für Krebsforschung) im März als „wahrscheinlich krebserregend“ (Typ2a) eingestuft, was sofort große Proteste seitens Monsanto führte, welche behaupteten es würden Studien nicht beachtet, die die krebserregende Wirkung von Glyphosat wiederlegen. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass die amerikanische Umweltbehörde EPA (bzw. USEPA, Environmental Protection Agency), bisher schon zwei Mal überführt werden konnte, Testergebnisse im Auftrag von Monsanto und anderen großen Industriefirmen gefälscht zu haben – ich denke doch, dass Ihr Euch alle Euren Teil dazu selbst denken könnt.

Nach Einatmen, Verschlucken oder Aufnahme durch die Haut treten meist Gesundheitsschäden erheblichen Ausmaßes oder gar der Tod ein. Schon weniger als 25 (25-200) mg pro Kilogramm Körpergewicht können zum Tod führen.

Gefahrensymbol giftig; Glyphosat verursacht ziemlich sicher Krebs und ist auch sonst alles andere als gesundheitsförderlich für Mensch und Tier. (de.wikipedia.org)

Sollte sich das heiß umstrittene TTIP (Transatlantische Freihandelsabkommen; Transatlantic Trade and Investment Partnership) durchsetzen, so würden nicht nur vermehrt mit Glyphosat kontaminierte und gentechnisch veränderte Lebensmittel bei uns eingeführt werden, sondern allgemein auch bei uns mehr gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut werden. Was wiederum zu einem verstärkten Einsatz des Herbizides führen würde.

Was jeder tun kann

Doch was können wir tun? Gibt es Möglichkeiten den Giften in unserem Essen auszuweichen? Die Antwort ist glücklicherweise Ja, es gibt Möglichkeiten!

Zunächst könnt Ihr erstmal die kontaminierten Produkte weitesgehend meiden, hierbei wären vor allem Getreide, Mais, Raps und Soja zu nennen. Da verstärkt genetisch modifizierten Pflanzen behandelt werden,  achtet Ihr außerdem gut darauf, dass vor allem diese nicht in euren Lebensmitteln enthalten sind. Leider wird aber auch beim Anbau vieler anderer Pflanzen, wie Wein, Oliven, Baumwolle, Sonnenblumen und Obst das Herbizid eingesetzt, wodurch ein einfacher Ausschluss der zuvor genannten Produkte leider nicht sicherstellt, dass wirklich kein Glyphosat auf euren Teller landet. Wie schon so oft kann ich euch deswegen nur raten auf biologisch angebaute Produkte umzusteigen. Nur hier könnt Ihr sicher sein, dass kein Glyphosat sowie keine oder nur wenige Herbizide und Pestizide allgemein, eingesetzt werden. Eine weitere Möglichkeit ist es auch bei eurem „Bauer des Vertrauens“, bei dem Ihr sicher seid, dass er keine der schädlichen Substanzen einsetzt, einzukaufen. Und zuletzt könnt Ihr, wie ich selbst es auch gerne tue auch gleich selbst in eurer Wohnung, auf euren Balkon oder im Garten eure eigenen Kräuter oder Pflanzen anziehen. Hier seid Ihr euch wirklich ganz sicher, was mit euren Pflanzen gemacht wird.

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