Bio – logisch

Das grüne Biolabel ist wohl das bekannteste Siegel auf unseren Lebensmitteln. Das ursprüngliche, deutsches Biolabel wird jedoch langsam aber sicher von dem EU-Biosiegel, den wohlbekannten grünen Blatt mit den weißen Sternen abgelöst. Davon abgesehen gibt es auch eine Menge anderer Siegel, darunter jene von Demeter, Bioland und Naturland sowie die Biolabels der anderen Staaten.

Sicherlich habt ihr euch auch schon oft genug gefragt, was genau hinter dem Logo steht. Die Mehrheit sieht in den ökologischen Produkten gesündere Lebensmittel und bessere Tierhaltung. Entspricht dies der Wahrheit? Und wenn ja, wie groß ist der Unterschied hierbei wirklich? Kann man dem Siegel vertrauen und ist dort, wo Bio drauf steht auch tatsächlich Bio enthalten? Lohnt es sich den Mehrbetrag zu bezahlen?

EU-Biosiegel

Das grüne Biosiegel der EU ist eines der bekanntesten Logos auf unseren Lebensmittel. (de.wikipedia.org)

 

Was bedeutet „Bio“?

Vorneweg: Bioprodukte gehören zu den am besten kontrollierten Lebensmitteln. Überhaupt ist es eines der wenigen Lebensmittel-Siegel, auf das man sich wirklich verlassen kann. Während die Begriffe „Bio“, „ökologisch“ und „biologisch“, auch ohne aufgedrucktes Biosiegel dennoch dessen Ansprüche erfüllen müssen, bedeuten die wohlklingenden Bezeichnungen wie „natürlich“, „traditionell“ und „hausgemacht“ überhaupt nichts, da im Prinzip jeder Hersteller seine eigenen Labels entwickeln und auf seine Produkte drucken kann. Solche und ähnliche Bezeichnungen, wie auch die Unzahl an Labels, sehen lediglich gut aus oder hören sich schön an und sollen zum Kauf verführen. Ansprüche und Kontrollen lassen dabei oftmals zu wünschen übrig, wodurch die Siegel alles andere als seriös werden. Glücklicherweise ist es bei den Bioprodukten anders, hohe Ansprüche und strenge Kontrollen sichern die Vertrauenswürdigkeit des Siegels. Dabei gelten folgende, strenge Richtlinien:

  • Der Einsatz ionisierender Strahlung zur Konservierung ist verboten
  • Es dürfen keine durch gentechnisch veränderten Organismen erzeugte Inhaltsstoffe verwendet werden
  • Der Einsatz synthetischer Pflanzenschutzmittel ist nicht erlaubt
  • Der Einsatz leicht löslicher, mineralischer Dünger (z. B. Phosphat-, Nitrat- und Ammoniumdünger) ist nicht erlaubt
  • Es dürfen nicht mehr als 5% konventionell erzeugte Bestandteile enthalten sein
  • Geschmacksverstärker, künstliche Aromen, Farbstoffe und Emulgatoren sind verboten
  • Allgemein sind nur wenig Zusatz- und Hilfsstoffe erlaubt (50 Stoffe, zum Vergleich: in der konventionellen Produktion sind ca. 300 Zusatzstoffe erlaubt)
  • Die Einfuhr von Rohwaren und Produkten aus Drittländern ist geregelt und wird streng kontrolliert
  • Eine Fruchtfolge (2-, 3- und 4- Felderwirtschaft) beugt ein Auslaugen des Bodens vor. Frühestens alle 5 Jahre wird auf dem Acker die gleiche Pflanze angebaut
  • Für die gehaltenen Tiere gibt es eine mindest Stall- und Freifläche vorgegeben (größer als in der konventionellen Tierhaltung)
  • Die Tiere müssen mit ökologisch produzierte Futtermittel, ohne Zusatz von Antibiotika und Leistungsfördernder Mittel gefüttert werden
  • Lediglich in schweren Fällen dürfen Antibiotika eingesetzt werden. Die Wartezeit bis z.B. die Milch der betroffenen Kuh wieder verkauft werden darf, ist doppelt so lang wie in der konventionellen Landwirtschaft. Prophylaktischer Antibiotikaeinsatz, wie er in der Massentierhaltung gängig ist, ist somit natürlich auch nicht erlaubt
  • Der Einsatz synthetischer Dotterfarbstoffe ist nicht erlaubt

Daneben haben die verschiedenen Bioverbände (Demeter, Bioland, Naturland, Gäa, Biokreis, Biopark, Ecoland, Ecovin) noch strengere Vorschriften, so müssen z.B. bei Demeter alle Kühe Hörner tragen. Das schmerzhafte Enthornen aber auch die Haltung von genetisch veränderten Kühen, die Aufgrund dessen keine Hörner mehr ausbilden, ist nicht erlaubt. Auch das Abschneiden der Schnabelspitzen junger Küken ist verboten, genauso wie der Einsatz von Nitratpökelsalze (wie auch für Bioland-Fleischprodukte). Da die Verbände ihre eigenen Kontrollen durchführen, bedeutet dies, dass diese Produkte gleich mehrfach geprüft werden.

 Nicht alles ist „grün“

So schön sich das alles erstmal anhört – die biologische Landwirtschaft und Produktion hat auch ihre Schattenseiten. Durch die hohe Nachfrage an Bioprodukten kommt es leider auch zur „Massenproduktion“. Trotz Auslauf und größerer Stallfächen ist es somit fraglich, ob die bio-Tierhaltung als artgerecht bezeichnet werden kann, da gängige Methoden Massentierhaltung auch in der ökologischen Tierhaltung erlaubt sind. So werden wie in der konventionellen Hühnerhaltung Lege- und Masthybriden gehalten, wodurch es selbst bei der Biohühnerhaltung zur Tagesordnung gehört, dass alle männlichen Küken, also die Brüder der Legehennen getötet werden. Daneben werden den Hühnern die Schnabelspitzen abgeschnitten, die Kühe enthornt und die Kälber werden von ihren Müttern, der Milchproduktion wegen getrennt.

Nicht alle Hühner können sich, wie diese über einen freien Auslauf und Möglichkeit zum Scharren und Picken erfreuen. In Sachen Tierwohl ist die Biohaltung auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung.

Nicht alle Hühner können sich, wie diese über einen freien Auslauf und Möglichkeit zum Scharren und Picken erfreuen. In Sachen Tierwohl ist die Biohaltung auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung.

Vorteile der biologischen Tierhaltung

Glücklicherweise gehen aber nicht alle Biobauern diesen Weg. So gibt es mittlerweile die sogennante „Bruderhahn Initative Deutschland (B I D)“. Durch einen kleinen Preisaufschlag auf die Eierpreise ist es möglich, dass männlichen Küken, statt direkt nach dem Schlüpfen, qualvoll vergast oder geschreddert, neben den „Schwestern“ aufgezogen und später als Masthähnchen verkauft werden können. Diese werden momentan von dem Babynahrungsmittelproduzenten Holle Baby Food vermarktet. Außerdem Arbeitet diese und ähnliche Initiativen (Bicklhof, EZ-Fürstenhof, Gockelprojekt, ei care),  an einer Verlängerung der Nutzungsdauer der Tiere, sowie an der Züchtung von Zweinutzungsrassen, wodurch die Hähnchentötung gänzlich unnötig gemacht wird.

Selbst wenn auch nicht alles idyllisch in der Biohaltung ist – so ist diese allemal besser als die konventionelle Haltung. Und den Tieren geht es auf jeden Fall besser, was ich persönlich sehr wichtig finde. Ich möchte kein Fleisch, Eier oder Milch von gequälten Tieren. Daneben sind die Produkte allgemein von besserer Qualität, da die Tiere möglichst artgerecht gefüttert und gehalten werden. Kühe werden zum Beispiel mit Gras und Heu gefüttert, während diese Tiere in der konventionellen Landwirtschaft regelrecht zu Säue gemacht werden, indem ihnen Mais, Soja und Tierabfälle verfüttert wird. Dadurch enthält die Biomilch wie auch das Biorindfleisch wertvolle Omega-3-Fettsäuren. Durch eine geringere Stressbelastung, sowie einer längeren Mastzeit besitzt das Fleisch außerdem auch geschmacklich eine höhere Qualität und enthält zudem keine Medikamentenrückstände. Ein Verzicht auf die sonst gängigen, prophylaktischen Antibiotikagabe hilft zuletzt auch einer vermehrten Resistenzbestimmung der Bakterien vorzubeugen.

Und so sieht es im Ackerbau aus

Im ökologischen Anbau sind aus Naturprodukte hergestellte Pestizide und Herbizide erlaubt. Erstmal hört sich „natürlich“ sehr schön an, hinter den Stoffen können aber genauso schädliche wie auch giftige Substanzen, die in ihrer Wirkung den rein synthetischen Stoffen um nichts nachstehen können. Allgemein werden dennoch viel weniger dieser Substanzen eingesetzt und es wird auch nicht vorkommen, dass gleich 24 verschiedene Pestizide gesprüht werden um die jeweiligen Grenzwerte der einzelnen Gifte nicht zu überschreiten. Insgesamt ist somit Bioobst und –gemüse kaum mit Pestiziden belastet, da meist alternative Methoden gegen Fraßfeinde, Konkurrenten und Krankheitserregern eingesetzt oder gleich widerstandsfähigere Sorten angebaut werden. Außerdem enthalten biologisch angebaute Früchte und Gemüse mehr Antioxidation. Diese Stoffe gehören teilweise zum Immunsystem und werden von den Pflanzen in größeren Maßen gebildet, wenn nicht alle potentiellen Feinde und Konkurrenten ausgelöscht werden. Da keine mineralischen Dünger eingesetzt werden, auf den Äckern nicht ständig die gleichen Sorten angepflanzt werden, werden die Boden nicht ausgelaugt und das Grundwasser kaum belastet.

Fazit

Da es in der Biobranche keine so extreme Preisdrückerrei gibt, besitzen die Produkte allgemein eine besser Qualität. So werden viel weniger bedenkliche Inhaltstoffe, wie künstliche Aromen, Geschmacksverstärker, Süßstoffe, Phosphate und Nitratpöckelsalze eingesetzt. Jedoch müsst ihr auch hier aufpassen, da in begrenztem Maße immer noch einige bedenklich Zusätze, wie  Phosphate und Nitrate erlaubt sind. Insgesamt kann man nun sagen, dass Bioprodukte besser schmecken, eine höhere Qualität hat und für eine bessere, wenn auch sicherlich nicht perfekten Tierhaltung stehen. Gleichzeitig werden die Bauern nicht ausgebeutet. Oftmals sind die Bioprodukte auch gleichzeitig Fairtrade, was eine ehrliche Bezahlung der Arbeitern und Bauern auch aus den Entwicklungsländern garantiert. Häufig sind die Bioprodukte nur wenig teurer oder sogar günstiger als viele „Markenprodukte“ – bei besserer Qualität. Seiner Gesundheit zu Liebe solltet ihr also ruhig den Preiszuschlag in Kauf nehmen, Bio lohnt sich für die Bauern, Umwelt und nicht zuletzt euch selbst. Ihr entscheidet letztlich über die Nachfrage und somit den Markt. Bitte nimmt dies zu Herzen und überlegt genau, wen oder was Ihr unterstützen wollt und wen nicht.

Noch ein Tipp von mir: Am besten kauft ihr gleich Produkte der Bioverbände wie Demeter, hier bekommt ihr nochmals eine höhere Qualität und weniger unerwünschte Zusatzstoffe wie Nitratpökelsalze und Phosphate. Außerdem sind die Verbände von den allermeisten Bioskandalen nicht betroffen.

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